..........übersetzte bücher

Włodzimierz Nowak “Das Herz der Nation an der Bushaltestelle” Polnische Reportagen
Klak Verlag, Berlin (2016)

Jetzt gibt es kein Polen mehr. Es gibt nur noch Geld - sagt Danuta Pruszewicz, die ihren Sohn verloren hat. Er starb beim Arbeitsunfall in einer Bonbonfabrik, sein letzter Atemzug roch nach Schokolade. Als die Familie Fragen stellt und sich um die Aufklärung seines tragischen Todes bemüht, hört sie entweder Ausflüchte oder stößt auf  eine Mauer des Schweigens. Die zuständigen Behörden schieben den Fall hin und her, die Verantwortlichen in der Fabrik fühlen sich alles andere als verantwortlich, die Arbeitskollegen haben Angst zu reden. Im Arbeitszeugnis des Jungen steht der groteske Satz: Das Arbeitsverhältnis wurde infolge des Todes des  Mitarbeiters beendet. 

Für seine Reportagen aus den Jahren 1998-2013 reist Wlodzimierz  Nowak durch die polnische Provinz und besucht Orte jenseits der großen, glitzernden Städte. Dort, wo das Herz des Landes schlägt, trifft er auf Menschen, deren Leben sich nach der Wende 1990 dramatisch verändert hat. Er spricht mit verzweifelten Bergarbeiterfrauen, Kleinkriminellen, lebensmüden Teenagern, widmet sich ganz jenen Menschen, die zu den Verlierern dieser Wende gehören: den Verzweifelten, Gebrochenen, den Stolzen und Unbeugsamen. Und er erzählt von ihren Schicksalen - mit journalistischer Nüchternheit und auf berührende Weise.

Wlodzimierz Nowak schreibt keine erbaulichen Geschichten, sondern nüchterne Reportagen, die einem zuweilen die Luft nehmen. Sein Interesse gilt denen, die nicht jeden Tag mit ihren Erfolgsgeschichten in der Zeitung stehen. Wer das Leben in Polen in manchen Regionen auf dem Lande und in den weniger erfolgreichen sozialen Schichten unsentimental kennen lernen möchte, Menschen in ihrem Alltag mit ihren Sorgen, ihrem Realitätssinn, zugleich aber auch mit ihren anrührenden Träumen und ihrer bewundernswerten Energie, immer wieder neue Anläufe zu nehmen und trotz allem für ihr Leben ein wenig Sinn zu erhaschen - der sollte zu diesem Buch greifen.

Gesine Schwan, Mitbegründerin und Leiterin der HUMBOLDT-VIADRINA Governance Platform
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Witold Szabłowski “Weil ich dich liebe, Schwester” Reportagen aus der Türkei
Vliegen Verlag, Berlin (2015) 

Mit seinen fesselnden Reportagen entführt uns der Journalist und Schriftsteller Witold Szabłowski in die Türkei – ein Land im Spagat zwischen Europa und Asien. Er zeigt es in seiner kulturellen Vielfalt und Zerrissenheit zwischen Tradition und Moderne, Religiosität und Laizismus, EU-Sehnsucht und EU-Ablehnung. In bester Tradition weltberühmter polnischer Reporter wie Ryszard Kapuściński reist Szabłowski quer durchs Land und sucht den Kontakt zu den Menschen. Von Imamen und Feministinnen, Schuhverkäufern und Sexologen lässt er sich die Türkei erklären. Er trifft den Bruder des Papst-Attentäters Ali Ağca und ehemalige Zwangsprostituierte, die für das Parlament kandidieren. Von einem unscheinbaren Fremdenführer lässt er sich zu einem Streifzug durch die osmanische Architekturgeschichte inspirieren. Ein Iraker, der vor seiner Flucht als Übersetzer für die US-Armee gearbeitet hat, führt ihn ein in die Welt der Schlepper und Flüchtlinge am Mittelmeer. Und er geht der Frage nach, was »Ehre« bedeutet und wieso es zu sogenannten Ehrenmorden kommt.

Die große Stärke der Reportagen liegt darin, dass die Menschen selbst zu Wort kommen und ihre persönlichen Geschichten erzählen. Der Respekt und die Empathie, mit denen ihnen der Autor begegnet, sind beachtlich und geben Einblick in ein oft widersprüchliches, aber hoch faszinierendes Land.
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Marek Edelman / Paula Sawicka “Die Liebe im Ghetto“
Schöffling & Co Verlag, Frankfurt (2013)

Marek Edelman war einer der Anführer des jüdischen Widerstands im Warschauer Ghetto und ein unbequemer Mahner. Mit nur einer Handvoll Gefährten organisierte der damals Zweiundzwanzigjährige 1943 den kurzen, hoffnungslosen Kampf gegen die übermächtigen Deutschen. Eindringlich lässt Edelman seine Erinnerungen an das Ghetto lebendig  werden. Hier rettete er Gefährten vor der Deportation und gab unter Einsatz seines Lebens das Untergrund-Bulletin heraus. Hier erfuhr er aber auch Zusammenhalt im Angesicht der Gefahr, erlebte bewegende Momente der Liebe, der Verbundenheit zwischen Eltern und Kindern, zwischen jungen und älteren Liebenden. Nähere
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Włodzimierz Nowak „Die Nacht von Wildenhagen“
Zwölf deutsch-polnische Schicksale
Eichborn Verlag, Frankfurt (2009)

Als der Autor Wlodzimierz Nowak sie trifft, ist Adelheid N. bereits 65 Jahre alt. Doch sie hat immer noch Angst - Angst vor der Erinnerung an die Nacht im Januar 1945, als in dem kleinen Ort Wildenhagen an der deutsch-polnischen Grenze die Mütter und Großmütter erst ihre Kinder und Enkelkinder, dann sich selbst in Panik umbrachten, weil die Russen auf dem Vormarsch waren und gleich eintreffen sollten.
Die Geschichte von Adelheid N. ist eine der zwölf literarischen Reportagen dieses Buches, das von den komplexen und oft schmerzhaften Beziehung zwischen Polen und Deutschen erzählt.
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Piotr Bednarski „Blauer Schnee“
Ullstein Verlag, Berlin (2006)

Der kleine Pjetja ist erst acht Jahre alt, als er während des stalinistischen Terrorregimes in den 40er Jahren zusammen mit seiner Mutter, der Tante und den Großeltern nach Sibirien verschleppt wird. Auf dem Weg in den Gulag landen sie zunächst in einem Dorf am Rande der Taiga, wo Pjetja trotz Hunger, Kälte und täglicher Schrecken versucht, das Glück eines normalen Lebens zu bewahren.
In diesem ergreifenden Buch beschreibt der polnische Dichter und Schriftsteller Piotr Bednarski seine eigene Kindheit und erinnert sich an die vielen kleinen und großen Ereignisse. Nähere
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Artur Daniel Liskowacki „Sonate für S“
Albrecht Knaus Verlag, München (2003)

In seinem Roman erzählt der polnische Autor Artur Daniel Liskowacki die Geschichte der Stadt Stettin in jenem dramatischen Augenblick, als in Europa ganze Nationen in die Falle der Geschichte geraten. Das Schicksal der Menschen, die in den ehemaligen deutschen Ostgebieten lebten und durch den Zusammenbruch Deutschlands 1945 ihre Heimat verloren, ist auch 50 Jahre später noch sehr lebendig. Nähere
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Jerzy Korczak “Teodor Müller - Das Schicksal eines deutschen Polen“
Dittrich Verlag, Köln (2000)

Teodor Müller entstammt einer Weberfamilie aus dem Städtchen Turek in Zentral-Polen. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wird er als Deutscher von der polnischen Obrigkeit interniert, doch die Wehrmacht besetzt schnell ganz Polen und er kommt wieder frei. Als er in seine Heimatstadt zurückkehrt, fragt ihn ein polnischer Freund, mit dem er zusammen zur Schule ging, ob er im Untergrund gegen die Deutschen mitkämpfen würde. Teodor schließt sich dem polnischen Widerstand an.
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